Betonverglasrestaurierung


Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelten sich mit der allgemeinen Aufbruchsstimmung neue experimentelle Formen in Kunst und Architektur. Auch im Sakralbau fand ein regelrechter Bauboom statt. Sowohl sakrale Ausstattung als auch architektonische Formgebung beschränkten sich auf klare Linien und Formen, die dennoch von einem metaphysischen Konzept der Licht- und Raumgestaltung durchzogen sind. Die Reduzierung auf das Wesentliche bezog sich auf die Gestaltung sowie auf die Materialwahl. Aus dieser neuen künstlerischen Bewegung entwickelte sich die Idee der Betonverglasung. Sie fungierte gleichzeitig als Mauer und als Verglasung und ist somit integraler Gebäudebestandteil und kein Fenster im klassischen Sinne mehr.

Betonverglasungen bestehen vorwiegend aus in Form gegossenen, geschlagenen oder geschnittenen Dickglasstücken (Dalle-de-verre, Gussglas bis zu 3cm Stärke) und Glasbrocken. Die Verbindung der einzelnen Glasstücke erfolgt nicht durch Bleiruten sondern durch Stahlbeton. Nach Auswahl und Zurichtung der Gläser werden diese positioniert und die mit einer stählernen Armierung versehen oder umgeben und anschließend mit Beton vergossen. Durch das integrierte statische Gerüst sind Form und Dimension kaum Grenzen gesetzt. Die entstandenen Module wurden im Bauwerk aufeinandergesetzt und eingedichtet.

Bereits 20 Jahre nach Auftreten dieser Verglasungen traten erste Probleme auf. Es gibt unterschiedliche Problemquellen an diesem Verglasungstyp. Zum einen haben Beton, Glas und Stahl (in ähnlicher Materialstärke) einen nahezu gleichen Ausdehnungskoeffizienten haben, allerdings erwärmen sich verschiedenfarbige Gläser je nach Lichtintensität unterschiedlich stark und dehnen sich aus. Dies führt zu feinen Rissen im Beton, die zur Wasseraufnahme beitragen. Folgen sind Absprengung des Betons durch Korrosionsinduzierte Volumenvergrößerung der Stahlarmierung, Deformation, Sprünge im Glas und letztlich Einsturzgefahr.


   

Ein weiteres Problem besteht in der fortschreitenden Karbonatisierung des Betons. Nach der Fertigung weist der Beton eine Art natürlichen Korrosionsschutzes für die eingegossenen Eisenteile auf. Im Laufe der Zeit baut sich dieser Schutz aber ab, bis die Armierung korrodiert. Beim Rosten dehnen sich die Eisenteile durch ein Anwachsen der Korrosionsprodukte aus und sprengen in der Folge umliegenden Beton und Gläser.

Die Konservierung von Betonverglasungen ist ein Themenfeld, das schon lange diskutiert wird und doch stets stiefmütterlich behandelt wurde. Es treffen Fragen und Arbeiten aus der Stein- Metall- und Glasrestaurierung auf. Betrachtet man die Menge der Betonverglasungen allein in Deutschland und die bereits vorhandenen Schäden und die Probleme die sich in Zukunft noch ergeben werden, wird die Dringlichkeit der Konservierung dieser Kunstwerke deutlich. Bei der Konservierung und Restaurierung der Materialkombination Glas-Beton-Stahl, liegt unser besonderer Augenmerk auf der Untersuchung der Schädigungsmechanismen induziert durch exogene und endogene Faktoren und maximaler Bestandserhalt bei der Restaurierung.

Wir sind aufgebrochen, diesen unebenen Pfad zu beschreiten und können als erste in Deutschland erfolgreiche Forschungsarbeit zum Thema Betonglasrestaurierung vorweisen. Im Rahmen eines AiF-Forschungsprojektes haben wir mit der BAM einen Sanierungsmörtel für Betonverglasungen entwickelt, der sich ideal an die bauphysikalischen Gegebenheiten jedes Betons anpasst. In einem Folgeprojekt entwickeln wir bis Ende 2015 ein Verfahren Heilung des Korrosionsprozesses der Betonverglasungen, das auch in situ angewendet werden kann.


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