PROJEKTVERLAUF

Jedes Restaurierungskonzept ist ebenso individuell wie das zu restaurierende Kunstwerk

Um eine maßgeschneiderte Konservierung oder Restaurierung für eine historische Glasmalerei planen zu können stehen wir in engem und regen Austausch mit den jeweiligen Bauherren, Fachplanern und zuständigen Denkmalpflegern.

Das Resultat ist in der Regel ein tragfähiger und auf allseitigem Konsens beruhender sinnvoller Maßnahmenbeschluss.

Nachfolgend eine Auflistung möglicher Bestandteile einer klassischen Restaurierungskampagne an historischen Glasmalereien und Bleiverglasungen:

  • AUSBAU

    AUSBAU

    Der Ausbau historischer Glasmalereien ist ein sensibler Moment. Beim Ausbau treffen 3 historische Handwerksleistungen aufeinander: Steinmetzkunst, Schmiedekunst und Glasmalerei. Alle drei bedürfen besonderer Behandlung, kein historisches Objekt darf beschädigt werden. Alle Komponenten sind gleich in ihrem Stellenwert.

    Deshalb muss bei jedem Ausbau auf die individuelle Einbausituation eingegangen und ein entsprechendes Ausbaukonzept erarbeitet werden. Der Restaurator vor Ort muss sich auf die individuellen Gegebenheiten der Einbausituation einstellen und seinen Ausbau anpassen.

  • DOKUMENTATION

    DOKUMENTATION

    Eine Restaurierung wird stets von einer Dokumentation begleitet. Dies ermöglicht nachfolgenden Generationen anhand arbeitsbegleitender, aussagekräftiger Dokumente in Zukunft konservatorische und restauratorische Maßnahmen nachzuvollziehen und Entwicklungen am Kunstwerk besser beurteilen zu können. Neben der schriftlichen Dokumentation ist eine fotografische Dokumentation unabdingbar. Im Idealfall sollte bereits vor oder während des Ausbaus eine begleitende Fotodokumentation erstellt werden. Spätestens aber in der Werkstatt wird der Zustand der Felder in verschiedenen Belichtungen (Auflicht, Durchlicht ggf. Streiflicht) fotografiert.

    Wir verfügen über eine professionelle Fotokabine mit regelbaren, idealen Lichtbedingungen und diverse Fotokameras wie Mittelformat-, Kleinbild- und Digitalkameras. Die Fotoserie wird unter identischen Lichtbedingungen und Situation der Fotografie nach der Restaurierung wiederholt. So erreichen wir eine perfekt dokumentierte Vergleichbarkeit des Vor- und Nachzustandes des Restaurierungsobjektes. Hinsichtlich des naturwissenschaftlichen Teils einer Dokumentation ist beispielsweise der 3D-Weißlicht-Streifenscan ein zukunftsweisender Schritt einer topografischen Dokumentation im Mikrometerbereich.. Hier liegt die nahe Zukunft der denkmalgerechten Dokumentation. Die Archivfestigkeit einer Dokumentation ist ein wichtiger Punkt, der alle Materiellen und digitalen Bestandteile einer Dokumentation umfasst. Wir bieten hier ein breites Spektrum und beraten Sie gern.

  • MALSCHICHTSICHERUNG

    MALSCHICHTSICHERUNG

    Malschichtsicherungen sind in ihrer Anwendung differenziert zu betrachten. Malschicht-festigungsmittel sind anorganisch und unterliegen grundsätzlich stark der Materialalterung. Sie können - falsch angewendet - verunklärend wirken und langfristig gar zur Zerstörung originaler Substanz führen.

    Die Wahl des passenden Festigungsmittels ist abhängig vom vorgefundenen Schadensbild und der zukünftigen Exposition. In den meisten Fällen können abgängige Malschichtpartikel mittels Pinselapplikation eines geeigneten Sicherungsmittels wieder an der Glasoberfläche fixiert werden. In besonderen Fällen kann es notwendig sein, abgehobene Malschichtschollen mittels Heizspatel niederzulegen und verformungsfrei am Glasträger zu fixieren.

    Als wichtige Parameter gelten Alterungsbeständigkeit und Reversibilität der Festigungs-materialien. In den meisten Fällen können nicht beide Ansprüche erfüllt werden, weshalb es von enormer Wichtigkeit ist, zu entscheiden an welcher Stelle eine Sicherung mittels Malschichtfestigung oder dich mit einer Schutzverglasung sinnvoll ist. Während einzelner Arbeitsschritte sowie für Transporte können temporäre Sicherungen unterschiedlicher Art eine Alternative bieten.

  • REINIGUNG

    REINIGUNG

    Keine Maßnahme der Restaurierung und Konservierung ist so heikel wie die Reinigung. Wie weit kann man gehen, wie weit muss man gehen?

    Eine Reinigung ist ein unwiederbringlicher Eingriff in einen vorgefundenen Zu- und Bestand. Sowohl Art und Umfang von Verschmutzungen, als auch Gefüge, Stabilität und Textur des Glases variieren stark. Auf den Feldern findet man beispielsweise Auflagen wie Staub, Russ, Kitt, Kalk, Farblacke, Beschichtungen früherer Restaurierungen, tierische Exkremente, Mikroorganismen und auch Korrosionsprodukte des Glases.

    Wie weit eine Reinigung gehen kann, bestimmt die Sensibilität der darunter liegenden Malschichten und des Glases. Behutsam und mit äußerster Vorsicht – im Extremfall unter ständiger mikroskopischer Kontrolle - kann eine Reinigung mit maximaler Bestandsicherung erfolgen. Ggf. sind zudem temporäre Zwischensicherungen nötig. Bei einer Reinigung darf man sich nicht nur auf das klassische, mechanische Abtragen festlegen, sondern auch neue Wege und Formen müssen gesucht, getestet, kombiniert und angewendet werden. Wir sind ständig dabei neue Wege zu gehen und zu erforschen um dem Denkmal gerecht zu werden.

  • SPRUNGKLEBUNG

    SPRUNGKLEBUNG

    Bei der Verklebung von Sprüngen sind Sauberkeit und Fingerspitzengefühl gefragt. Unterschieden wird zwischen dem Verkleben im Bleinetzverbund und dem Verkleben im ausgebauten Zustand. Der Verbleib im Bleinetz bedeutet für das Glasstück weniger mechanische Belastung. Allerdings erfordern besonders komplizierte Sprungbilder für die versatzfreie Verklebung die Entnahme des Glasstückes aus dem Bleinetz. Bei unebenen Glasstücken wird dieses während der Klebung auf einem angepassten Bett gelagert.

    Zunächst werden die Sprungkanten mit einem geeigneten Lösemittel gereinigt. Anschließend werden empfindliche, poröse Oberflächen temporär gesperrt und ein Auslaufschutz für den Klebstoff aufgebracht. Die Scherben werden gefügt und versatzfrei ausgerichtet. Die richtige Wahl des Klebers ist entscheidend. In Deutschland finden fast standardmäßig Epoxide Einsatz wir beherrschen aber auch den Einsatz andere Klebstoffe wie Acrylate, Restaurierungssilikone, UV aushärtende Klebstoffe und moderner Hybridstoffe. Aspekte zur Auswahl des richtigen Klebstoffes ist der Härtegrad des ausgehärteten Produktes sowie Alterungsbeständigkeit, glasähnlicher Brechungsindex, Vergilbungsarmut und wie bei allen Materialien in der Denkmalpflege die Reversibilität. Nach der Klebung kann eine Retusche auf der Klebenaht erfolgen. Wir sind auch in der Entwicklung der Klebstoffe und Techniken engagiert und arbeiten gemeinsam mit der BAM, Berlin bis 2015 an einem gemeinsamen Forschungsprojekt zu diesem Thema.

  • BLEINETZSICHERUNG

    BLEINETZSICHERUNG

    Viele Auftraggeber befürworten bis heute eine Neuverbleiung, da sie befürchten, ein altes Bleinetz müsse derart desolat sein, dass es nicht mehr erhalten werden kann. Diese Annahme ist in der Regel unbegründet. Ein historisches Bleinetz ist ein wichtiger Bestandteil bei der Bewertung der Authentizität der Glasmalerei. Selbst stark beschädigte Bleinetze können fachgerecht erhalten werden, insbesondere wenn die Glasmalereien eine Schutzverglasung erhalten. Auch hier sind der gleiche Sachverstand und Sorgfalt gefragt, wie bei der Konservierung der historischen Gläser. Ein Austausch historischen Materials ist nur in begründeten Fällen wünschenswert, da eine Entbleiung auch stets einen riskanten Eingriff darstellen und die Wirkung von Glasmalereien und Bleiverglasung, zwar oft sekundär, aber dennoch massiv von der Verbleiung beeinflusst wird.

    Schadensbilder des Bleinetzes können Verformungen, Risse im Gefüge, sowie die Bildung von Bleiweiß sein. Hauptursache für solche Schäden ist nicht das Alter des Materials, sondern zu enger oder zu loser Sitz der Felder, falsche Windstangen-versteifung, Windsog und Winddruck und atmosphärische Einflüsse.

    Die Durchführung einer Restaurierung unter Erhaltung der alten Verbleiung hat sich in jüngster Zeit immer weiter entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit den Landesdenkmalämtern und den entsprechenden kirchlichen Bauämtern, wurde dieses Verfahren in den vergangenen Jahren einer großen Zahl an Objekten mit überzeugendem Erfolg praktiziert. Auch die Behandlung der Windeisen und Haften zählt mit zu unseren Leistungen.

  • RETUSCHE

    RETUSCHE

    In der Retusche unterscheiden wir zwei Kategorien: Zum einen die Retusche eines Sprunges oder einer Ausflinsung, zum andern die Retusche zur Vervollständigung der Bildaussagen. Bei störendem Lichteinfall durch Klebenähte oder Ausflinsungen wird gezielt mit alterungs-beständigen, lichtechten und reversiblen Farben retuschiert.

    Sind Teile des Gesamtbildes durch Verlust der Farbschichten nicht mehr gegeben, geht oftmals die Aussage des Fensters verloren oder die verbleibende Darstellung irritiert den Betrachter in der Wahrnehmung des Gesamtwerkes. Um diesen Effekt zu mindern oder die Lesbarkeit der Bildaussage wiederherzustellen bestehen unterschiedliche Möglichkeiten der Retusche. Beispielsweise kann eine Retusche mit reversiblen Farben auf der unbemalten Rückseite des Originals stattfinden, oder aber auch eine Doublierung mit glasmalerischer, eingebrannter Malerei aufgebracht werden.

    Wie intensiv man diese Retusche betreibt ist eine Fallentscheidung, die es zu diskutieren gilt. Das Spektrum reicht von leicht schattierter Unterstützung der beschädigten Malerei bis hin zur dem Original technisch angepassten Vollrekonstruktion.

  • ERGÄNZUNG

    ERGÄNZUNG

    Fehlstellen im Glas stellen immer einen Störfaktor dar. Nicht nur, dass durch diese Fehlstelle das Fenster undicht wird, auch die Gestaltung des Fensters wird gestört. Die Möglichkeiten zur Fehlstellenbehandlung sind vielfältig und wir versuchen stets kreativ damit umzugehen. Das fehlende Stück wird schabloniert und ein in Farbe, Struktur und Stärke passendes Glas ausgewählt. Anhand der Schablone erfolgt der Zuschnitt, danach wird die Ergänzung geschliffen, bis sie perfekt an die bestehenden originalen Scherben passt - falls diese noch vorhanden sind.

    Anschließend erfolgt die teilweise mehrschichtige Bemalung mit Glasschmelz- und Diffusionsfarben, die entsprechend eingebrannt werden. Unter Umständen müssen die Ergänzungen weiteren Veredlungstechniken wie z. B. dem Ätzen unterzogen werden. Die fertige Ergänzung wird durch Verklebung, Kupferfolie oder Blei in den Bestand eingefügt.

    Die Spannbreite der Möglichkeiten zur Ergänzung ist enorm. Wie bemale ich das Glas? Rekonstruierend, neutral füllend oder frei schöpferisch modern?
    Wir suchen für jedes Projekt eine passende Lösung und präsentieren Ihnen diese gern anhand von Mustern oder Simulationen.

  • MESSING- ODER KUPFERRAHMUNG

    MESSING- ODER KUPFERRAHMUNG

    Glasmalereien die schutzverglast werden, werden in der Regel um wenige Zentimeter in den Kircheninnenraum versetzt. Aus diesem Grund werden die Felder seitlich nicht mehr über eine Fuge an den Stein angeschlossen und auch von der Verkittung entlang der Eisenkonstruktion der Einbausituation ist konservatorisch abzuraten und konstruktiv zudem überflüssig. Um den verbleiten Feldern dennoch ausreichend Stabilität zu verleihen, raten wir zur Messing- oder Kupferrahmung der Einzelfelder. Hierzu werden je Feld U-Profile aus Messing oder Kupfer auf Gärung zu gerichtet und um die Randbleie gelegt. Durch Löten wird der Rahmen verschlossen und punktuell an das Bleinetz angebunden. Im Bereich des Maßwerkes und Bögen werden die Messingprofile ideal an die Kontur der Felder angepasst.

    Dank dieser verwindungssteifen Rahmung können die historischen Felder die aus ihrer Ursprungssituation genommenen wurden, stabil innen vor die Schutzverglasung montiert werden. Seitlich werden Streifen aus Walzblei aufgebracht, so dass hier der Übergang von Feld zur Fensterlaibung überdeckt werden kann und keine störenden Lichtschlitze offenliegen. In der Betrachtung vor Ort fällt die veränderte Einbauweise kaum mehr auf.

    Aber nicht nur bei schutzverglasten Feldern ist eine Rahmung denkbar, auch anders oder üblich eingebaute Glasmalereien oder Bleiverglasungen können so von schädlichen Einflüssen in direktem Kontakt mit der Einbausituation oder dem Gebäudes getrennt und ihre Lebensdauer deutlich erhöht werden.

  • ZWISCHENABNAHME/SCHLUSSKONTROLLE

    ZWISCHENABNAHME/SCHLUSSKONTROLLE

    Nach erfolgter Restaurierung oder Teilrestaurierung findet in unseren Werkstätten eine Schlusskontrolle statt. Hierzu wird das restaurierte Fenster vor unserem Präsentationsfenster vor Tageslicht aufgebaut, wo eine kritische Kontrolle durch den Werkstattleiter, Projektleiter, und Projektakquise erfolgt.

    Sofern Nachbesserungen erforderlich sind, können diese direkt ausgeführt werden. Der Gesamtzusammenhang des Fensters ist für diese Kontrolle enorm wichtig, da man in der Regel aufgrund der Abmessungen während der Restaurierung immer nur einen Teil des Ganzen vor betrachten kann.

    Nach der internen Kontrolle wird dem Auftraggeber und dem zuständigen Denkmalamt eine Zwischenabnahme in der Werkstatt vorgeschlagen, die meist gern angenommen wird, da es vermutlich für lange Zeit die letzte Gelegenheit sein wird das Fenster so nah und im ganzen Detailreichtum zu betrachten.

  • WIEDEREINBAU DER ORIGINALE

    WIEDEREINBAU DER ORIGINALE

    Jedes Fenster ist individuell. Wie auch beim Ausbau, bedarf es ebenso beim Wiedereinbau einer hohen Aufmerksamkeit gegenüber der am Fenster aufeinandertreffenden Materialien. Für den Einbau restaurieren wir bestehende historische Haltekonstruktionen und passen diese ggf. an die neue Montage an. So müssen oftmals spezielle Halterungen für den Maßwerkbereich entwickelt werden. Jedes Fenster ist individuell und das trifft auch für deren Montage, so dass immer wieder die Kreativität unsere Montageabteilung zur Lösungsfindung gefragt ist.

    Der Einbau der Originale erfolgt durch speziell geschultes Personal in Verbindung mit einem verantwortlichen Werkstattrestaurator, der sich mit den „Problemzonen“ der Felder auskennt und dem entsprechend deren Handhabung steuert. Zum Auffangen und Ableiten anfallenden Kondenswassers bieten wir auch die Anfertigung unterschiedlicher Rinnenmodelle an.

    Im Falle einer Schutzverglasung ist es wichtig, die funktionierende Hinterlüftung nach dem Einbau der beiden Fensterebenen zu kontrollieren. Derzeit kontrollieren wir dies durch punktuelle Erfassung klimatischer Werte, da langfristige Messungen zumeist kostenintensiv und mit Kabelverlegung verbunden. Um zukünftig langfristige, günstige, autarke Messungen zur Funktionstüchtigkeit von Schutzverglasungen machen zu können, sind wir bis 2016 im Rahmen einer DBU-geförderten Forschung an einer derartigen Entwicklung mit dem Mechatronik-Unternehmen iXtronics beteiligt.

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